Das freundliche Selbstgespräch

Jeder Mensch, der einmal versucht hat zu meditieren, weiß wahrscheinlich, dass es wirklich schwierig ist, die Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen. Wir führen, ohne uns dessen bewusst zu sein, in Gedanken ständig Gespräche. Oft richten sich unsere unausgesprochenen Sätze an ganz bestimmte Personen. Auseinandersetzungen werden in Gedanken weitergeführt, Argumente ausgefeilt, sehr beliebt ist wohl auch das „ich-hätte-sagen-sollen-Spiel“. Du weißt bestimmt, was ich meine …

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Meditieren und dabei den inneren Dialog stoppen ist eine schöne Sache. Aber auch das Gegenteil kann gut funktionieren: Warum nicht den Gedanken aufmerksam zuhören, sie in die gewünschte Richtung lenken und sie sogar aussprechen – und zwar auch dann, wenn man mit sich ganz alleine ist. Zum Beispiel, wenn man eine Arbeit konzentriert machen möchte und die Stimmen im Kopf ständig dazwischen funken.

Die Psychologen Dietrich Dörner und Ralph Reimann wollten wissen, wie sich Selbstgespräche auf die Leistungen von Studenten auswirken (Quelle: Sabine Claus, Mein allerbestes Jahr). Das Ergebnis war erstaunlich: Die besten Leistungen wurden von jenen Studenten erreicht, die am meisten mit sich selbst gesprochen haben. Dabei kommt es aber sehr darauf an, wie man das macht. Am hilfreichsten waren ganz bestimmte Arten von Fragen:

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  • Konstruktive Erweiterungsfragen: Wie kann ich das hier anbringen? Was kann ich aus Blumenkohl, Tomaten und Knoblauch kochen? Wohin genau muss ich den Fuß legen, damit ich bei der Baum-Asana stabil stehe? Wo muss ich den kleinen Sessel anstupsen, damit möglichst viele Rosenblütenblätter herunterfallen?
  • Konsequenz-Analyse-Fragen: Wenn ich das so mache, hält das dann? Wenn ich den Knoblauch dazugebe, verträgt sich das dann mit dem Blumenkohl? Wenn ich den Fuß unter dem Knie abstütze, kann ich dann die Hände über dem Kopf schließen ohne umzufallen? Wenn ich die Rosen mit meinem Schwanz einfach herunter wische, bekomme ich dann schneller mein Abendessen?
  • Sich selbst in Frage stellen: Wieso kriege ich das nicht hin? Warum bin ich heute beim Kochen so hektisch? Wieso fällt es mir schwer, im Gleichgewicht zu bleiben? Warum kann ich sie nicht aus der Ruhe bringen?
  • Unkenntnisfragen: Wofür ist das denn? Welche Gewürze passen gut zu Blumenkohl? Gibt es einfache Vorbereitungsübungen für die Baum-Stellung? Was soll das hier überhaupt? Ich will mein Abendessen!

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Wenn wir unsere Gedanken nicht nur dahinziehen lassen, sondern sie in konkrete Worte fassen, dann sind wir gezwungen, langsamer und genauer zu denken. Was vorher nur eine ungefähre Ahnung war, wird nun zu einem klaren Satz. Darum hilft es uns auch so sehr, wenn wir über Probleme oder Zweifel mit anderen Menschen sprechen können. Es sind nicht nur die Rückmeldungen der anderen, die uns helfen, sondern alleine schon das Formulieren und Aussprechen schafft neue Klarheit und bringt uns daher weiter. Dieses Phänomen kann man wunderbar auch ganz mit sich alleine beim freundlichen, konstruktiven Selbstgespräch nutzen.

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Und nicht vergessen: Man sollte jeden Tag mindestens einmal an einer Rose riechen 🙂

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