Geschichtenerzähler

Wir Menschen sind leidenschaftliche Geschichtenerzähler. Durch die große Vorstellungskraft, die das menschliche Gehirn von den Gehirnen anderer Primaten unterscheidet, ist es uns möglich, uns Dinge und Zusammenhänge auszudenken, die in der Wirklichkeit nicht oder noch nicht existieren. Das ist eine wunderbare Fähigkeit, die uns große Möglichkeiten eröffnet. Aber sie kann auch zum Nachteil werden, zB dann, wenn wir nicht mehr zwischen unseren Geschichten und der Wirklichkeit unterscheiden können oder wenn wir Geschichten glauben, die uns oder anderen schaden.

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Gustave Boulanger [Public domain], via Wikimedia Commons
Ein ganz einfaches Beispiel für so eine persönliche „Geschichte“  könnte folgender Satz sein: „Ich kann auf Fleisch nicht verzichten, weil ich ohne Fleisch nicht richtig satt werde.“ Ist das wahr, oder ist es eine Geschichte, die jemand glaubt? Stelle die Frage: Würde das wirklich jeder Mensch auf der Welt so von sich sagen? Nein, natürlich nicht. Wir wissen ja, dass es viele Menschen gibt, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf Fleisch verzichten. Auch im Tierreich gibt es jede Menge Beispiele dafür, dass man ohne Fleisch sehr satt, sehr kräftig und sehr groß werden kann, Elefanten zB sind Vegetarier. Also ist es keine unumstößliche Wahrheit, dass man ohne Fleisch nicht satt wird, sondern eine Geschichte, an die man sich  im Laufe der Jahre gewöhnt hat. Diese Geschichte kann man natürlich behalten, wenn man sich damit wohlfühlt. Aber unser Vorstellungsvermögen erlaubt es uns auch, Geschichten zu verändern. Nur mal so ganz spielerisch: Stell dir vor, du würdest diese Geschichte (oder eine andere, die besser für dich passt), einfach mal für einen Moment loslassen und eine andere Geschichte über dich glauben. „Ich brauche kein Fleisch, weil ich viele Gemüse, Früchte und Getreideprodukte ausgesprochen gerne mag und damit völlig satt werde.“ Wie fühlst du dich mit dieser neuen Geschichte? Kannst du dir genau vorstellen, wie du sein würdest, wenn du dir ab jetzt die neue Geschichte über dich erzählen würdest? Nun hast du die Wahl: Du kannst bei deiner alten Geschichte bleiben, oder du kannst einen Tag lang oder auch länger mal ausprobieren, mit dieser neuen Selbst-Erzählung zu leben.

Wie auch immer du dich entscheidest: Du bist es immer selber, der/die seine/ihre Geschichte erzählt und du hast immer eine Wahl. Ich finde, dieser Gedanke fühlt sich sehr frei und stark an.

Alles Gute für einen kraftvollen neuen Tag!

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