Ordnung – Teil 1

Gestern abend habe ich wieder einmal vergessen, mein Antihistaminikum zu nehmen. Ein ganz blöder Fehler, der mir selten, aber eben doch hin und wieder passiert. Spätestens nach zwei Stunden werde ich wach, weil sich pochende Schmerzen über die Wange, den Nasenrücken und hoch bis zur Stirn ausbreiten. Die Schleimhäute von Nase und Nebenhöhlen sind dann bereits so stark angeschwollen, dass sich eine Entzündung kaum mehr aufhalten lässt. (Mit lieben Grüßen von Herrn Aspergillus – danke schön!) Bis das dann wieder abgeklungen ist, dauert es drei bis vier Tage.

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Foto: Elke Sackel

Warum vergesse ich das? Die äußere Ordnung ist gegeben: Die Tabletten liegen wie immer neben der Zahnbürste, links das Hormonpräparat für den Morgen, rechts das Antihistaminikum für den Abend. Aber ich bin abgelenkt, unkonzentriert, müde. Die innere Ordnung fehlt. Dazu fand ich neulich etwas an einer Stelle, wo ich es rein gar nicht erwartet hätte, nämlich in der Master Thesis einer angehenden jungen Juristin, die ich lesen durfte. Dort stand (sinngemäß): Wenn ein Täter aufgrund seiner psychischen oder geistigen Disposition nicht in der Lage ist, seine emotionale Ordnung herzustellen, dann ist er nicht oder nur eingeschränkt straffähig. (Herr Aspergillus dürfte diese Regelung noch nicht kennen.)

Ja, wie stellt man denn immer wieder seine emotionale Ordnung her? Eine Möglichkeit ist die Erlaubnis – Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick richten, sich für eine Sache entscheiden. Eine andere Idee wäre Meditation. Die äußere Ordnung kann für die innere Ordnung sehr hilfreich sein. Manche Menschen nutzen die Macht von Ritualen oder Gewohnheiten.  Auch das liebevolle Selbstgespräch gehört hierher (dazu mehr in einem der nächsten Beiträge). Was hilft dir in solchen Situationen?

Trotz aller Mühe verliere ich hin und wieder meine emotionale Ordnung und zwar nicht nur dann, wenn ein vernünftiger Grund dafür vorliegt, wie zB ein Artikel über Freiheit und Menschenwürde, den ich neulich in der Neuen Zürcher Zeitung gelesen habe – in solchen Fällen halte ich es eher für ein Zeichen von seelischer Gesundheit, wenn man seine emotionale Ordnung eine Zeit lang verliert.

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Foto: Elke Sackel

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